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2. Das große Abhängigkeitsdrama Das große Abhängigkeitsdrama ist eine Situation, in der Du Dich in einer Beziehung befindest mit einem Partner, einer Partnerin, einem Freund/einer Freundin oder irgendjemand. Und in dieser Situation will die eine Person mehr Energie, mehr Liebe, mehr Intimität, mehr Nähe; und die andere Person will mehr Freiheit, mehr Raum. Und das ist eine sehr bedeutsame Situation, weil diese Situation zwei sehr tiefe Wunden zeigt, die wir in unsere Beziehungen hineintragen.
Die eine Wunde ist die Verlassenheitswunde, das Gefühl totaler Einsamkeit und Verlassenseins. Es ist niemand da, der Dich sieht und Deine Bedürfnisse erfüllt.
Die andere Wunde ist die Verschlingungswunde. Das ist das Gefühl, wenn Du Ja sagst zum anderen, dass er Dich kontrollieren möchte, dass er Dich verschlingt, wenn Du wirklich ja sagst, dass da kein Raum mehr für Dich selbst ist, dass Du erstickt wirst.
VERLASSENHEITSWUNDE: „Ich will mehr!“ Energetisch macht der Eine also so (ich brauche Dich, umklammern), und sagt damit, ich will mehr von Dir. Dies kann mehr Zeit sein, mehr Berührungen, mehr Sex, mehr von irgendetwas. Und der andere ist nicht verfügbar, aber Du willst mehr von dem. Kennst Du das?
VERSCHLINGUNGSWUNDE: „Ich brauche meinen Raum!“ Und die andere Bewegung ist die, lass mir doch noch ein bisschen Luft zum Atmen. Ich brauche mehr Freiraum für mich, ich brauche Raum um mich herum. Kennst Du das?
Tatsache ist, dass wir beides haben, und das in der gleichen Beziehung. Es muss nicht unbedingt in der Liebesbeziehung auftauchen, es kann auch bei Freundschaften sein. Es kann auch bei Deinem Hund auftauchen, also kann man mit jedem co-abhängig sein. Und dieses Gefühl der Abwehr ist auch damit verbunden, egal wie viel Du auch immer gibst, der andere will immer noch mehr. Vielleicht fühlst Du Dich dann schuldig deswegen.
Sehr wichtig dabei ist, die Person die mehr will, schaut auf die andere Person und sieht jemanden, der einfach Nähe und Intimität vermeiden will. Du schaust auf die andere Person und siehst jemanden, der Dir nicht nahe kommen will, vielleicht schaut der gerade Fernsehen, sitzt gerade am Computer, er tut alles mögliche, um den Kontakt zu vermeiden. Steigt auf die Berge, ist bei Freunden, hat nie Zeit mit Dir zu sein; meditiert die ganze Zeit, ist immer auf Seminaren.
Und Du schaust auf diese Person und sagst: „Dies ist Scheiße was Du machst, das ist Vermeidung. Warum bist Du überhaupt in einer Beziehung?“
Und die andere Person schaut auf die erste Person, die immer Nähe will und sagt: Das ist genauso scheiße was Du machst. Das ist noch viel schlimmer was Du machst. Du willst mich nur kontrollieren, Du liebst mich nicht, Du willst nur, dass ich Deine Leere fülle. Du rennst nur vor Dir selbst weg, Du vermeidest genauso, in dem Du von mir was willst.
Und das ist das große Drama, denn beide fühlen sich im Recht. Und sie haben auch beide Recht, jeder zu 50 Prozent. Sie haben Recht, was die Betrachtung des anderen angeht, aber was sie selbst angeht, liegen sie allerdings im Dunkeln.
Das ist das Interessante an der Co-Abhängigkeit, wir haben so viele Einsichten, was den anderen betrifft. Wir könnten ein Buch darüber schreiben, was der andere braucht, um zu wachsen. Aber wenn Du schreiben müsstest, was Du für Dein Wachstum tun solltest, könntest Du keinen einzigen Satz schreiben. „Nein, lass uns zu Dir zurückkehren. Ich bin eine Autorität was Dich betrifft. “
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