Gästebuch
Seminar "1. Kernressource - Willkommen sein - Traumata heilen" vom 13.-16.03.2014
Das Seminar thematisiert ausdrücklich die erste frühkindliche Lebensphase (pränatal bis ca. 6 Monate). Der Prospekt orientiert sich eng am Buch „Entwicklungstrauma heilen“ von Laurence Heller und legt anschaulich dar, welche Ressourcen in diesem frühesten, sehr delikaten Erfahrungsraum entwickelt werden und zu welchen Symptomen Beeinträchtigungen dabei führen können.
L. H. beschreibt das Ergebnis einer traumatisch gestörten primären Mutterbindung als „Kontakt-Überlebensstruktur“. Dabei zeigt er, wie dieses grundlegende (Ur-)Vertrauensproblem zu einer umfassenden Dysregulation führt, die verhindert, dass Nähe und Berührung zu einer erlebten Ressource werden, die als Möglichkeit zur Verfügung steht, innere Spannungen und Konflikte zu bewältigen. Dementsprechend heikel ist es für Betroffene, sich in den begrifflich schwer zugänglichen, äußerst delikaten Raum der ursprünglichen Verletzung hineinzubewegen. Ohne ein besonderes Herantasten an die im autonomen Nervensystem manifeste Verstrickung kann Nähe und Berührung für sie nicht heilsam wirken.
Als therapieerfahrener „Schizo“ hatte mich die äußerst akkurate Seminarbeschreibung angesprochen, und ich hatte tatsächlich gehofft, einen entsprechend hochsensiblen Raum des behutsam geführten Erspürens und Erkundens vorzufinden. Diese Erwartung war eindeutig zu hoch. Das Seminar bestand weitgehend aus strukturierten Übungen, bei denen Berührung und Nähe die heilende Erfahrung, willkommen zu sein, unterstützen sollten. Die Ermunterung, die eigenen Grenzen zu achten und stets im Kontakt mit dem eigenen Spürbewusstsein zu bleiben, half mir nicht wirklich weiter, so dass meine persönliche Grenze und damit die Neugier und Bereitschaft für weitere Übungen relativ früh erreicht war.
Eine wirkliche Erfahrung der Nähe war für mich die Resonanz von Michael und der ganzen Gruppe im Sharing am Samstagmorgen, in dem ich mich mitteilte. Ich hatte auf meine Ankündigung hin, das Seminar vorzeitig verlassen zu wollen, eine gewisse Ablehnung bzw. „Überzeugungsarbeit“ erwartet. Statt dessen erlebte ich Stille, Berührt-Sein und Akzeptanz. Das kam an. Dafür Dank an alle.
Für Menschen mit „schizoiden“ Tendenzen und einer nachhaltig gestörten frühen Mutterbindung („Kontakt-Überlebensstruktur“) würde ich dieses Seminar nicht empfehlen. Für alle anderen mag es eine beglückende, neue Erfahrung sein, die in wohltuendem Kontrast zur Alltagswelt steht.
Prabhugeet
