Gästebuch
Nicht sehr konkret sind meine Erwartungen am Weg zur Greimburg. Seit Jahren wollte ich zu einem Tantraseminar. Was ich dabei suche, weiß ich selbst nicht so genau. Da ist aber das Gefühl, dass dieses Seminar wunderbar zu mir passen wird. Aber natürlich ist auch ein wenig Unsicherheit dabei.
Nacktheit ist für mich nicht die große Herausforderung, sondern ein Teil meiner Vorfreude. Als der erste beim Tanzen seine Kleidung ablegt, kann ich es nicht lassen, es ihm gleichzutun. Kommunikation in der Gruppe ist da für mich schon ein größeres Problem. Tatsächlich bedeutet es für mich Stress, in einem Kreis sitzend über meine Gefühle und Erwartungen zu reden. Noch dazu muss ich es hier mehr oder weniger auf Hochdeutsch versuchen und nicht in einem wienerisch-niederösterreichischen Slang, in dem man manchmal schon durch Lautmalerei mehr ausdrücken kann als in drei Sätzen in „richtigem Deutsch“. In meinem Beruf könnte ich jetzt Selbstbewusstsein spielen, das habe ich im Lauf der Jahre gelernt. Aber das will ich hier ganz bestimmt nicht.
Das Problem wird aber für mich nicht wirklich groß. Ich bin ja nicht zum Reden hier, es gibt auch andere Formen der Kommunikation. Die Farben sind eine davon, Berührungen eine weitere. Und ich denke, hier können die meisten recht gut in meinem Gesicht lesen.
Erstaunlich schnell entsteht auf der Greimburg eine Oase der Liebe und des Vertrauens. Sanftheit wird dabei mein Thema, Orange meine Farbe. Sie steht für Sommer, Sonne, Wärme, sanfte Kraft. Immer wieder spielt auch meine Sehnsucht nach Afrika mit seinen dunklen, aber warmen Brauntönen und seiner Kraft gebenden Erdverbundenheit herein.
Irgendwann ist die Zeit der starken Rituale vorbei. Normalerweise sind Abschiede nicht meine Stärke. Aber hier ist es gar nicht so schlimm. Ich weiß, ich muss nicht viel sagen. Das ist schon ok.
Was wird von diesen Tagen bleiben? Zunächst einmal der Wunsch nach mehr Nacktheit im Alltag. Ich komme ihm in meiner Wohnung und gleich am Montagabend bei meinem Lieblings-Badeteich nach. Und ansonsten liebe ich es, barfuß und in einer kurzen Hose unterwegs zu sein. Das ist nichts Neues, aber jetzt bin ich noch selbstbewusster gegenüber verwunderten Blicken auf meine Füße. Barfuß auf dem Fahrrad wird der Weg ins Büro zu einer genussvollen halben Stunde am Morgen. Und auch sonst gibt es so vieles zu genießen: meinen Frühstückskaffee, Musik, köstliches Obst, die Natur, sympathische Menschen,...
Ein paar „g’scheite Sachen“ habe ich auf der Greimburg erfahren. Man könnte auch Lebensweisheiten dazu sagen. Auch dabei ist nichts Neues, das mir jetzt ein kluger Seminarleiter gesagt hätte. Dessen Weisheit bestand eher darin, den Raum zu schaffen, in dem ein paar wichtige Dinge geschehen konnten. Lebenserfahrung muss jede(r) selbst machen und das nicht nur einmal. Zu lernen gab es etwa, wie aus Verantwortlichkeit für sich selbst und Achtsamkeit für die anderen Liebe und Verbundenheit entstehen. Ich denke, diese wieder einmal und so intensiv gemachte Erfahrung kann mir bei vielen Gelegenheiten helfen.
Eigentlich staune ich darüber, wie leicht mir nach den Tagen auf der Greimburg die ersten Arbeitstage fallen. Ich fühle mich voller Kraft, alles geht mir so leicht von der Hand. Das Leben ist so schön.
Unerfüllt blieb in diesen Tagen eigentlich nur ein Wunsch: Hinauf in die Berge zu gehen. Dafür blieb mir keine Zeit. Aber ich bin überzeugt, es kommen noch ein paar schöne Sommerwochenenden.
Ihr Lieben Leute von der Greimburg: Danke dafür, dass ich euch so nah begegnen durfte. Seht diesen langen Text als kleinen Ausgleich für manche Momente meines Schweigens. In meinem Herzen umarme ich Euch die ganze Zeit.
