Gästebuch
Lieber Peter,
obwohl es nun schon fast zwei Wochen her ist, seit ich Deiner Einladung als Assistentin am Seminar „Junge Liebe und Sinnlichkeit“ teilzunehmen gefolgt bin, ist mein Herz immer noch voller Dankbarkeit für all das, was ich an diesem Wochenende sehen, hören und erleben durfte.
Es gab mehr als nur einen Moment an diesem Seminar, wo mir das Weinen zuvorderst war: Weinen vor Glück, zu sehen, welche Chance diese jungen Leute kriegen, indem sie so früh schon lernen und üben können, wie gut und wie befreiend es ist, sich ohne Maske, ganz echt, zu zeigen. Gleichzeitig auch Trauer darüber, dass ich und viele Menschen, die mir sehr lieb sind, diese Chance nicht gekriegt haben als wir Jugendliche war. Wie viel Schmerz und Leid, wie mancher Umweg wäre uns erspart geblieben, wenn wir damals einen Peter oder eine Eva in unserem näheren Umfeld gehabt hätten…
Manchmal kamen mir auch Tränen, weil ich so bewegt und berührt war, miterleben zu dürfen, mit wie viel Liebe, Annahme und Achtung Du mit den Menschen, die Dir für dieses Wochenende anvertraut waren, umgingst und wie diese, Deine, Art dazu beigetragen hat, dass die jungen Menschen vertrauensvoll und mit einer grossen Offenheit ihren grossen inneren Reichtum gezeigt haben.
Schon, als ich vor knapp drei Jahren mit meinem Partner meinen ersten Kurs bei Euch erlebt hatte, war mir danach bewusst, dass die Welt anders, liebevoller, heller, aussehen würde, wenn Eure wertvolle Arbeit vervielfältigt würde!
So habe ich in meinem Amt als Pfarrerin in den letzten Jahren fröhlich Elemente aus Euren Kursen in die Senioren- und in die Jugendarbeit einfliessen lassen. Seither drücken mich die Senioren an ihr Herz, wenn sie mich sehen. Die Jugendlichen machen keinen Widerstand mehr, seit ich die Aufträge als Einladung formuliere, und selbst biblische Erzählungen und theologische Abhandlungen sind was absolut schönes, wenn man beim Zuhören mit den andern kuscheln darf.
Die Gottesdienste wurden herzlicher. Einmal lud ich die Gemeinde vor dem Abendmahl ein, aufeinander zuzugehen und sich anstelle des Friedensgrusses den Zuspruch „Du bist geliebt“ zu schenken. Obwohl vom Kontext her völlig klar war, dass mit diesem Zuspruch von der Liebe Gottes die Rede war und dass es sich nicht um persönliche Liebeserklärungen handelte, fielen sich nach diesem Satz ganz viele Menschen gegenseitig in die Arme und weinten…
Ich musste jetzt für meinen Kirchgemeinderat ein neues Konzept für meine Konfirmandenarbeit formulieren und merkte bei der Zielformulierung, dass ich aufs wunderbarste von Eurer Arbeit beeinflusst und geprägt bin, und dass ich das Feuer, dass ihr in mir angezündet habt, jetzt unbedingt weitergeben will. Als Ziel meines Unterrichts formulierte ich folgendes:
Der ganze Konfunterricht und auch das Konflager stehen unter dem Motto: Das Himmelreich ist mitten unter Euch….
Wir werden uns viel Zeit nehmen, um gemeinsam die Lebensthemen der Jugendlichen in Erfahrungen zu bringen und anzuschauen.
Ich werde versuchen den Jugendlichen die christliche Kernbotschaft zu vermitteln: „ Egal, wie Dein Leben aussieht, ganz egal wie Du Dich fühlst: Du bist von Gott gewollt, und geliebt. Dein Leben hat einen Sinn. Du erfüllst den Sinn Deines Lebens am besten, wenn Du Deine eigene Lebensspur und Deinen eigenen Lebensausdruck findest. Wage, Du selbst zu sein!“ Ich möchte die Jugendlichen unterstützen, selbstbewusst und selbstakzeptierend Ihren Weg zu finden, damit sie sich freier und offener in ihrem Leben bewegen können. Es ist meine tiefe Überzeugung, dass Menschen, die keine Maske mehr zu tragen brauchen und die sich angstfrei in diesem Leben bewegen können, zumindest einen Zipfel vom Himmelreich Gottes auf Erden erfahren und die Voraussetzungen haben, „Licht der Welt“, oder „Salz der Erde“ zu werden. Ich glaube, dass der Weg zum Himmelreich Gottes auf Erden derselbe Weg ist, wie derjenige, welcher zu mehr Vertrauen in sich selbst, in das Leben und in die Liebe führt.
Amen bzw. Namaste, mit unglaublich viel Liebe, Hochachtung und Dankbarkeit Dir und Eva gegenüber
Isa
